Mensch-Computer-Interaktion und digitale Werbung

Früher war die Interaktion der Konsumenten mit Inhalten ein unkomplizierter Prozess. Es gab eine einfache Reihe von Verbreitungsmitteln – Printmedien, Radio, Fernsehen und Film – und eine ebenso klar definierte Reihe von mechanischen Schnittstellen, die in der Regel aus Seiten, Knöpfen und Drehreglern bestanden.

Medienunternehmen mussten schon immer entscheiden, welches Format für bestimmte Inhalte optimal ist, und das Publikum hat schon immer die Mittel gewählt, über die es diese Inhalte konsumieren möchte. Die Auswahlmöglichkeiten waren jedoch relativ begrenzt, und so kristallisierten sich schnell Favoriten heraus.

Die Werbung war ebenso etabliert. Jahrzehntelange Forschung und Erkenntnisse hatten effektive Werbeformate hervorgebracht, die auf jedes Medium zugeschnitten waren und Marken eine verlässliche Auswahl an Alternativen boten; die Möglichkeiten, eine Printanzeige oder einen Fernsehspot zu modifizieren, waren begrenzt.

Die Branche war dennoch bestrebt, die Interaktion zwischen Konsumenten und Inhalten zu verbessern. Leserbriefe, Fernbedienungen und Satellitenradio sind mittlerweile gängige Entwicklungen, die die Möglichkeiten des Publikums zur Auswahl, zum Konsum und zur Reaktion auf Inhalte verbessert haben.

Das rasante Wachstum digitaler Medien hat traditionelle Modelle der Inhaltsbereitstellung und der Interaktion mit Konsumenten grundlegend verändert. Medien und Werbung haben sich für immer gewandelt, und Marketingfachleute wie Marktforscher fragen sich gleichermaßen, wie sie sich in dieser neuen, von Medientechnologie geprägten Welt zurechtfinden sollen.

Die Mensch-Computer-Interaktion definiert den digitalen Konsum

Zentral für diese Mission ist das Verständnis der Mensch-Computer-Interaktion (HCI), einem Forschungsgebiet, das Verhaltenswissenschaft und Technologie vereint. Um den sich wandelnden Bedürfnissen des neuen Medienmarktes gerecht zu werden, müssen sich Marketingfachleute und ihre Agenturen mit diesem Gebiet vertraut machen.

Die Mensch-Computer-Interaktion existiert seit den Anfängen des Personal Computing. Da immer mehr Rechenleistung in die Hände von Nicht-Experten gelangte, wurde die Notwendigkeit, die Schnittstelle zwischen Benutzer und Ziel zu optimieren, deutlich.

Wie traditionelle Ansätze zur Interaktion zwischen Konsumenten und Inhalten betrachtet auch die Mensch-Computer-Interaktion (HCI) das Content-Erlebnis auf drei Ebenen: Bereitstellung, Schnittstelle und Werbung. Gemeinsam befassen sie sich mit folgenden Fragen: (1) Wie wird Content zugänglich gemacht? (2) Wie wird er erlebt? (3) Wie wird diese Interaktion monetarisiert?

1. Neue Wege zur Inhaltsbereitstellung verbessern den Zugang

Smartphones bieten enorme Rechenleistung und Internetverbindung in den Taschen der Verbraucher und ermöglichen so den flexiblen Konsum von Inhalten unabhängig von festen Geräten. Da sich die Art und Weise der Inhaltsbereitstellung verändert, ist es unerlässlich, die Nutzung neuer Kanäle an die Bedürfnisse der Verbraucher anzupassen.

Die Mensch-Computer-Interaktion (HCI) kann die Inhaltsbereitstellung aus zwei Perspektiven verbessern: Zugänglichkeit und Interaktivität. Es gibt mittlerweile unzählige Möglichkeiten, Konsumenten mit Inhalten zu verbinden, und nicht alle sind gleichwertig.

Mobile Apps, professionelle Suiten auf Cloud-basierten Plattformen und standortbezogene soziale Medien sind allesamt Entwicklungen im Bereich der Bereitstellung, die den Konsum von Inhalten unmittelbarer und personalisierter gestalten und durch erweiterte Funktionalität die Interaktion fördern.

Video-on-Demand (VoD) ist ein Paradebeispiel für die Rolle der Mensch-Computer-Interaktion (HCI) in der Medienentwicklung. Unternehmen wie YouTube, HBO und iFlix verbessern den Zugang zu Inhalten durch mobile Anwendungen und Liefervereinbarungen mit Telekommunikationsunternehmen, die ihre Reichweite vergrößern.

Die Integration von Funktionen wie Direktnachrichten und Kommentaren sowie die Anbindung an etablierte Social-Media-Plattformen machen den Medienkonsum interaktiver. Durch die Zusammenführung verschiedener Medien entsteht zudem ein ganzheitliches Medienerlebnis, das zur Interaktion anregt.

Diese Entwicklungen basieren auf Forschungsergebnissen, die nicht nur aufzeigen, wie, sondern auch warum Medien konsumiert werden. Kulturelle Unterschiede, die Verbreitung mobiler Geräte und andere alltägliche Gegebenheiten prägen den Medienkonsum in den verschiedenen Märkten und definieren die idealen Verbreitungswege.

2. Die richtige Benutzeroberfläche steigert Engagement und Zufriedenheit.

Die Weiterentwicklung von Medienschnittstellen wird ebenfalls maßgeblich von der HCI-Forschung vorangetrieben, häufig mithilfe von Methoden wie Eye-Tracking und Gesichtserkennung. Erkenntnisse aus der HCI erweitern unser Verständnis kognitiver Prozesse und ermöglichen so intuitivere Schnittstellen, die die mentale Belastung reduzieren und die Nutzerzufriedenheit steigern.

Die jüngsten Entwicklungen im Bereich Cloud Computing, multimodale Eingaben sowie Augmented und Virtual Reality, gepaart mit Fortschritten in der KI, versprechen eine noch nahtlosere Interaktion zwischen Mensch und Computer, doch die effektive Umsetzung dieser Entwicklungen bleibt eine Herausforderung.

Indem soziale Medien den Konsum von Inhalten von einem weitgehend passiven zu einem aktiven Erlebnis gewandelt haben, haben sie die Konsumenten gestärkt und die Grenze zwischen Konsum und Produktion verwischt. Artikel, Videos und Musik können in Echtzeit geteilt und kommentiert werden.

Ebenso haben Plattformen wie Snapchat die visuelle Kommunikation durch die Begrenzung der Inhaltslänge und die Möglichkeit, Inhaltsquellen genau zu definieren, unmittelbarer gestaltet. Die Möglichkeit, einen Einblick in den Alltag von Freunden zu erhalten, hat die Bedeutung von „in Kontakt bleiben“ revolutioniert.

Die Bewertung der Benutzerfreundlichkeit im Rahmen der Mensch-Computer-Interaktion (HCI) trägt dem Wunsch der Verbraucher nach einem direkten und dennoch flexiblen Zugriff auf Inhalte Rechnung. Wir haben uns weit von Kommandozeilen-Oberflächen entfernt, aber die Art und Weise, wie Benutzer mit digitaler Technologie interagieren, entwickelt sich weiterhin rasant von Jahr zu Jahr. (Man denke nur an Sprachassistenten und IoT-Schnittstellen.)

3. Die besten Werbeformate für neue Medien

Eine intuitive und leistungsstarke Benutzeroberfläche kann jedoch wirkungslos bleiben, wenn die Inhaltsform nicht den Bedürfnissen der Verbraucher entspricht oder der Inhalt nicht ansprechend ist. Heutzutage lassen sich Inhalte, einschließlich Werbung, schnell testen und anhand verschiedenster Faktoren, von Aufmerksamkeit bis hin zu Nutzerinteraktion, anpassen.

Die Bereitstellung konsistenter und wirkungsvoller Botschaften über eine Vielzahl von Geräten und Plattformen hinweg ist eine der größten Herausforderungen für Marketingfachleute im digitalen Zeitalter. Marken haben Zugriff auf beispiellose Daten zum Konsumverhalten, doch erst die Mensch-Computer-Interaktion (HCI) hilft, diese Informationsflut zu kontextualisieren und darauf zu reagieren.

Für Marketingfachleute hängt die Entwicklung optimaler Methoden zur Datenerfassung und deren Auswertung von einem fundierten Verständnis davon ab, wie Konsumenten typischerweise mit Inhalten interagieren, welche digitalen Plattformen sie zum Konsum dieser Inhalte nutzen und mit welchen Geräten sie auf diese Plattformen zugreifen.

Einfache, klickbasierte Kennzahlen werden durch komplexere Modelle ersetzt. Video-on-Demand-Plattformen wie iFlix erfassen die Zeit zwischen Interaktionen, während soziale Medien wie Facebook mithilfe fortschrittlicher Text- und Bildanalysen die Interessen ihrer Nutzer ermitteln.

Es mag den Anschein haben, als würden diese neuen Datenanalyse-Tools die Rolle von Agenturen und Marktforschern schmälern, doch in Wahrheit gewinnt ihre Fähigkeit, Informationen in einen Kontext zu setzen, immer mehr an Bedeutung. Zu wissen, wie Nutzer mit Inhalten und Werbung interagieren, ist bedeutungslos, wenn wir nicht verstehen, wie sie damit umgehen. warum.

Nutzung von HCI zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen

Nachrichten, Unterhaltung und soziale Interaktion haben sich inhaltlich weitgehend nicht verändert. Viele Medienunternehmen müssen sich nun über ihre Plattform und Benutzeroberfläche – also die Mittel, mit denen sie Nutzer mit Inhalten verbinden – profilieren.

Durch die Verbindung einer technologischen Perspektive mit traditionellen Forschungsmethoden kann die Mensch-Computer-Interaktion (HCI) Medienunternehmen, Marketingfachleuten und Forschern helfen zu verstehen, welche Art von Informationen oder Unterhaltung die Konsumenten wünschen, wie diese am besten bereitgestellt werden können und wie dieser Prozess effektiv monetarisiert werden kann.

 

 

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by Peter Minnium

Quelle: martechtoday.com

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